"23. Juli 2013, 21 Uhr: Die Libelle, die ich gestern am Terrassenfenster sah und der ich den Weg ins Freie mehrfach gewiesen hatte, bis sie für mich nicht mehr zu finden war. Jetzt liegt sie auf den Fliesen. Ich beobachte das Wunderwerk auf dem Boden. Es liegt in den letzten Zügen. Nur ein Beinchen zuckt noch. Oder auch nicht. Ich trage das Insekt vorsichtig in eine windgeschützte Ecke der Terrasse. Ich plaziere einen winzigen Wassertropfen nah an seinen Mund und beobachte lange die vielleicht nur noch vom Wind bewegten Arme. Sie ist tot. Ich schiebe den Leichnam in eine Streichholzschachtel. Mit C. bestatte ich die Libelle am Ufer."

Wolfgang Herrndorf, der sich am Montag, den 26. August 2013 gegen 23.15 Uhr am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen hat, >Er, der Schriftsteller, wählte den Freitod, weil er nicht ohne Sprache, ohne das Sprechen leben wollte.  (via noxe)

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wieindengaertenorchideen:

“Man kann wahllos eines dieser Bücher aufschlagen, um Sätze zu entdecken wie: “Sicherheitsempfinden und Zufriedenheit mit dem Istzustand sind Leistungskiller.” Weswegen dem karrierewilligen Menschen empfohlen wird, “lebenslang zu lernen”. Damit ist nicht der Aquarellmalkurs gemeint, dessen höherer Zweck darin bestünde, hinterher in der Kreissparkasse ausstellen zu dürfen. Vielmehr soll man in Rhetorikseminaren seine Schlagfertigkeit trainieren, beim Jonglieren “Gehirnjogging” betreiben und in Kreativschulungen alles auf bunte Zettel schreiben, was einem durch den Kopf rauscht. “Entfaltungscoaches” helfen dabei. Letzte Zweifel an der Freiwilligkeit seines Tuns lassen sich neurolinguistisch umprogrammieren. […]  Der Einzelgänger ist unsozial, weil er sich nicht an After-Work-Treffen beteiligt und augenscheinlich Wissen für sich behält. Wo einst das Ich war, soll jetzt Wir werden. Niklas Luhmann, der nach Dienstantritt in Bielefeld gesagt haben soll, er brauchte nur Stifte, Blöcke und ansonsten seine Ruhe, würde heute vermutlich mit harmoniefördernden Maßnahmen belästigt werden und müsste seine Sozialkompetenz beim Bergsteigen verbessern. […] Manche amerikanische Technologiebetriebe engagieren inzwischen “Fun Officers” oder “Happiness Engineers”, die sich um die Laune der Mitarbeiter kümmern wie Clowns auf einer Geburtstagsparty; andere befragen wöchentlich ihre Mitarbeiter, wie sie ihre momentane Fröhlichkeit bewerten würden. Und wer weiß, vielleicht lässt sich der Wandel vom Unbehagen an der Kultur zum Behagen an der Unkultur auch als zivilisatorischer Fortschritt begreifen, als Notwehr oder einfach als bessere Laune in der schlechten. Wenn die sogenannten Verhältnisse einen eh umbringen, stirbt man lieber den Wärmetod der Heiterkeit.“

Der Terror der guten Laune
http://www.zeit.de/2014/47/karriere-ratgeber-glueck-arbeit

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lintwists:

October

(via aworryingthing)

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(via marxismus-nihilismus)

446 notes

wanderlog:
“  Highlands, Iceland
”

wanderlog:

Highlands, Iceland

(via remifentanil)

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(Source: theokcomputer, via xraskolnikowx)

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hintergrundrauschen:

Alfred Schmidt: Die Frankfurter Schule & Heidegger

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books-rome-weirdness:
“ A close up of Alcyoneus on the east frieze of The Great Altar of Pergamon
”

books-rome-weirdness:

A close up of Alcyoneus on the east frieze of The Great Altar of Pergamon

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"Aufstehen, schlafen, Gymnastik, kalt duschen, frühstücken, lesen, schlafen. Vögel füttern, Versuch, nicht zu schlafen, schlafen, C. anrufen. Gespräch über den Tod, über das Weinen, über das Sterben im Alter, wenn man der Letzte ist und keiner mehr da, der eine Erinnerung hat an den Jungen, der fünfzehn Meter über dem Erdboden einhändig im Baum hängt, an das Mädchen, das seinen Schulranzen auf einen fahrenden Laster wirft, das Kind unterm Sofa, das, während unbekannte Stiefel durch die Wohnung poltern, mit der flachen Hand zentimeterdicken Staub zusammenschiebt, zitternd."

Wolfgang Herrndorf (1965 - 2013)
“Arbeit und Struktur”
Dreiunddreißig, 12.11. 2012 21:45 (via flightyhead)

(Source: korusalka)

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(Source: sulphuriclike, via remifentanil)

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